Drücke „Enter”, um zum Inhalt zu springen.

Projektinformationen

Hintergrund

Die Digitalisierung des deutschen Gesundheitssystems und insbesondere der Krankenhäuser ist ein derzeit viel diskutiertes Thema. Immer mehr Krankenhäuser nutzen elektronische statt papierbasierte Patientenakten. Durch die Verwendung einer EPA können Gesundheitsdaten auf digitalen Medien gespeichert, abgefragt und modifiziert werden und Arbeitsabläufe sollen vereinfacht werden.

Ziel der Studie ist es, die sozialen Folgen der EPA auf die interprofessionelle Zusammenarbeit (Arbeitsbedingungen, Rollenerwartungen) aufzudecken. Darüber hinaus soll herausgefunden werden, inwiefern sich die EPA auf die klinischen Arbeitsabläufe hinsichtlich zentraler Dimensionen wie Ablaufzeit oder Anzahl der Prozessschritte auswirkt.

Forschungsfragen:

Führt die Einführung der elektronischen Patientenakte zu einer Veränderung …

  • … der sozialen Aspekte der interprofessionellen Zusammenarbeit?
  • … in den klinischen Arbeitsabläufen in Bezug auf zentrale Dimensionen wie z.B. Ablaufzeit, Anzahl der Prozessschritte?

Und wenn ja, wie und warum?

Studienaufbau

Das Studiendesign besteht sowohl aus qualitativen als auch aus quantitativen Methoden. Um die erste Forschungsfrage hinsichtlich der sozialen Folgen zu beantworten, werden qualitative Methoden wie Beobachtungen, Interviews, Gruppendiskussionen und Dokumentenanalysen verwendet. Diese werden im Rahmen einer qualitativen Netzwerkanalyse untersucht.

Zur Beantwortung der zweiten Forschungsfrage dienen quantitative Daten aus Befragungen mit Patient*innen und Mitarbeiter*innen, Zeitmessungen und Sekundärdatenanalysen.

Es handelt sich um eine Längsschnittstudie mit zwei Messzeiträumen, die in drei Krankenhäusern durchgeführt wird.

Methode

Qualitative Netzwerkanalyse:

Das erste Arbeitspaket zielt auf die Beantwortung der ersten Forschungsfrage ab. Die qualitativen Daten aus den Beobachtungen, den teilstrukturierten Interviews, den Gruppendiskussionen und den Dokumentenanalysen werden gemeinsam durch die Universität zu Köln und die Technische Universität Dortmund analysiert. Diese gemeinsame Analyse ermöglicht eine Bündelung der Expertise und eine hochwertige qualitative Analyse der Daten.

Fokusgruppen:

Zur Vorbereitung der Beobachtungen ist die Durchführung von Fokusgruppen geplant. Exemplarisch für den Arbeitsalltag wird ein Prozess visualisiert. In interprofessionellen Gruppen, die an der Einführung der EPA beteiligt sind, werden Diskussionen über die Auswirkungen der EPA geführt. Zusätzlich zur Ergänzung der Beobachtungsdaten geben die Fokusgruppen Einblicke in die Interaktion zwischen den Angehörigen der verschiedenen Gesundheitsberufe. Diese Fokusgruppen werden mit fünf bis sechs Mitarbeiter*innen verschiedener Berufsfelder (Pflegepersonal, Ärzt*innen, Verwaltungsangestellte) geführt. Auch diese werden im Krankenhaus durchgeführt, um den Aufwand der Diskussionsteilnehmer gering zu halten und ihre Teilnahmebereitschaft zu erhöhen.

Beobachtung:

Im Rahmen von Beobachtungen werden einzelne Mitarbeiter*innen verschiedener Berufsgruppen über einen bestimmten Zeitraum begleitet. Hierbei verwenden wir die Methode des „Shadowing“ und begleiten eine*n Mitarbeiter*in mit dem Ziel, den Arbeitsalltag zu untersuchen. Dies ermöglicht es, die Wirklichkeit in den alltäglichen Handlungen und Prozessen aufzudecken. Während der Beobachtung werden die Forscher*innen detaillierte Notizen anfertigen, ihre Beobachtungen und Gespräche dokumentieren und protokollieren, um genügend Details für eine spätere Analyse bereitzustellen. Im Fokus steht bei den Beobachtungen die interprofessionelle Zusammenarbeit (Kommunikation, Koordination, Kooperation) in der Patientenversorgung. Der Zeitraum der Beobachtungen umfasst vier bis sechs Wochen, wobei während des Zeitraums Phasen der Dokumentation und Analyse stattfinden, um den Beobachtungsfokus ggf. anzupassen.

Interviews:

Zur Erweiterung der Beobachtungen werden teilstrukturierte Interviews mit den Mitarbeiter*innen geführt, die an der Einführung der EPA beteiligt sind. Das Thema der Interviews wird die interprofessionelle Zusammenarbeit sein. Fragen hierzu betreffen die sozialen Aspekte (Kommunikation, Kooperation und Koordination) und andere Veränderungen, die durch die Einführung der EPA bedingt sind. Außerdem sollen in den Interviews die Ergebnisse der Beobachtung diskutiert werden. Die subjektive Relevanz der interprofessionellen Zusammenarbeit soll dadurch aufgedeckt werden, dass Netzwerkkarten aus der Sicht der Befragten erstellt werden. Zu jedem Zeitpunkt werden drei Interviews durchgeführt. Interviewt werden Vertreter*innen der Berufsgruppen Informationstechnologie, Pflege und Ärzteschaft. Die Interviews werden in dem jeweiligen Krankenhaus durchgeführt, um den Aufwand für die Befragten zu reduzieren und die Bereitschaft zur Teilnahme zu erhöhen.

Dokumentenanalyse:

Ergänzend zu den beschriebenen Methoden werden zufällig ausgewählte Patientenakten analysiert. Der Fokus liegt hierbei auf der Kommunikation zwischen den Berufsgruppen sowie auf der Standardisierung der Dokumentation, Klarheit und dem Detaillierungsgrad. Hierfür werden je nach Phase papierbasierte oder elektronische Akten verwendet. Um die Privatsphäre der Patient*innen zu gewährleisten, werden die Patientenakten vor der Analyse anonymisiert.

Quantitative Analyse:

Im zweiten Arbeitspaket werden die quantitativen Analysen durchgeführt, um die zweite Forschungsfrage zu beantworten. Zunächst soll hierbei eine Prozesslandkarte entwickelt werden, um Zeit und Ressourcen strukturiert zu dokumentieren.

Patientenbefragung:

Patient*innen, auf den jeweiligen Stationen auf denen die EPA eingeführt wird, erhalten während ihres Aufenthalts einen Fragebogen. Dieser Fragebogen beinhaltet verschiedene Skalen zur Messung der Outcome-Dimension des Clinical Adoption Meta-Models (CAMM), wie z.B. die Patientenzufriedenheit oder Erfahrungen mit den Arbeitsabläufen. Die Befragung basiert auf bereits vorhandenen und validierten Skalen oder methodisch sorgfältig entwickelten Items. Die Durchführung der Patientenbefragung findet während des Untersuchungszeitraums der Beobachtung statt und es werden so viele Patient*innen einbezogen, wie in diesem Zeitraum auf der jeweiligen Station behandelt wurden.

Mitarbeiterbefragung:

Die Angehörigen der Gesundheitsberufe werden anhand eines Mitarbeiterfragebogens befragt. Hierfür werden Skalen zur Arbeitszufriedenheit, zum Wohlbefinden und zu den Erfahrungen im Arbeitsablauf verwendet. Außerdem werden soziodemografische Daten und mögliche Einflussfaktoren (z.B. Erwartungen, digitale Kompetenz) abgefragt. Auch diese Befragung basiert auf bereits vorhandenen und validierten Skalen oder methodisch sorgfältig entwickelten Items. Die Durchführung der Mitarbeiterbefragung findet ebenso während des Untersuchungszeitraums der Beobachtung statt und es werden so viele Mitarbeiter*innen einbezogen, wie in diesem Zeitraum auf der jeweiligen Station im Dienst waren.

Zeitmessung:

Um einen Einblick in die zeitliche Dimension der Arbeitsabläufe zu erhalten, werden Zeitmessungen von verschiedenen Prozessschritten, insbesondere dokumentationsbezogenen Arbeitsabläufen, durchgeführt. Basierend auf den im qualitativen Teil erstellten Prozesslandkarten, wird die Zeit für jede Aktivität, die in der Prozesslandkarte beschrieben wurde gemessen und dokumentiert. Hierbei werden drei Ansätze miteinander kombiniert:

  1. Externe Beobachtung der Mitarbeiter*innen mit einer Stoppuhr an ausgewählten Tagen
  2. Selbstbewertung der Zeit durch Mitarbeiter*innen über einen Zeitraum von drei Wochen
  3. Schätzung der in einem multidisziplinären Team verbrachten Zeit

Sekundärdatenanalyse:

Als letzten Aspekt werden Krankenhausstruktur- und Verwaltungsdaten im Rahmen einer Sekundärdatenanalyse betrachtet. Die Strukturdaten dienen zur Charakterisierung der Krankenhäuser, während die Verwaltungsdaten eine weitere Quelle zur Beurteilung der Outcome-Dimension sind (z.B. Verweildauer, stationäre Mortalitätsrate, Patientensicherheitsindikatoren). Durch die Verwendung von Verwaltungsdaten ist es möglich, die Ergebnisdimension für 12 Monate vor der Einführung der EPA zu bewerten, um so unterbrochene Zeitreihenanalysen ergänzend zum Vorher-Nachher-Design durchzuführen.